„Wer fragt nächste Stunde aus?“ – „Bekomm ich jetzt einen Pluspunkt?“


Zu Stundenbeginn wird traditionell ausgefragt. Und zwar der Stoff der letzten Stunde. Doch bei uns gibt es eine neue Tradition: Ausfragen tun die Schülerinnen und Schüler, nicht die Lehrkraft. Dafür gibt es Pluspunkte, mit denen man eine gute mündliche Note erreichen kann. Und so funktioniert’s.

Schüler fragen Schüler aus: So funktioniert’s

„Und wer fragt nächste Stunde aus?“Am besten legen wir gleich zu Beginn der Religionsstunde fest, wer in der nächsten Stunde dran ist. Die  Jungen und Mädchen melden sich in Tandems. Sie passen in der Stunde gut auf.

Jeder Mitwirkende überlegt sich im Anschluss vier Fragen zur Stunde, die sich auf Hefteintrag und Stundengespräch beziehen, und notiert sich diese samt den richtigen Antworten. Eine der Fragen sollte eine Denkfrage sein, bei der man nicht nur Wissen wiedergibt, sondern etwas überlegen muss. Die beiden sprechen sich kurz ab, damit sich die Fragen nicht wiederholen.

Zu Stundenbeginn in der Folgestunde kommen die beiden nach vorne. Sie stehen vor der Klasse, stellen ihre Fragen und rufen auf. Sie geben Rückmeldung zur Antwort, z.B. „Genau!“ oder „Noch nicht ganz!“.

Ich stehe etwas seitlich und vermerke mir im Sitzplan, wer eine richtige Antwort hatte. Das gibt einen Pluspunkt. Als Belohnung für die Vorbereitung bekommen die Ausfragenden zwei Pluspunkte.

Vorteile

Das System ist inzwischen seit Jahren erprobt. Es hat den Vorteil, dass positives, konstruktives Verhalten sofort belohnt wird.

  • Die mitwirkenden Jungen und Mädchen haben eine positive Rolle im Unterricht und bekommen dafür Anerkennung.
  • Die Lernenden können aktiv das Erreichen einer guten mündlichen Note kontrollieren, indem sie mitdenken und sich melden.
  • Die Ausfragenden übernehmen Verantwortung und genießen eine gewisse Machtfunktion, indem sie Fragen stellen und entscheiden, wer dran kommt.
  • Als Lehrkraft bin ich in diesem Zeitraum entlastet und kann die Klasse beobachten.
  • Der Stoff der Vorstunde wird noch einmal ins Gedächtnis gerufen und ich kann dann daran anknüpfen.

Fragen und Einwände

  • „Nehmen die Schüler, die ausfragen, nicht immer die Gleichen dran?“
    Wir sprechen darüber, dass es wichtig ist, dass alle eine Chance bekommen und aufgerufen werden.
    Die Ausfragenden bemühen sich daher, möglichst verschiedene Jungen und Mädchen aufzurufen. Es sei denn, es melden sich immer die gleichen …
  • „Fehlen nicht wichtige Aspekte, wenn SchülerInnen die Fragen formulieren?“
    Insgesamt gibt es jeweils 6 Wissensfragen und 2 Denkfragen. Im Allgemeinen deckt das den Stoff der Stunde weitgehend ab. Wenn aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt fehlt, stelle ich selbst einfach noch Fragen im Anschluss.
  • „Und wenn die SchülerInnen schlecht vorbereitet sind?“
    Das kommt zwar selten vor, weil es ja peinlich ist vor der Klasse, aber es kommt vor. Das verärgert auch die Klasse etwas, denn es gibt ja dann keine Pluspunkte zu erringen. In solchen Fällen gebe ich z.B. nur einen Pluspunkt oder schicke das Tandem auf seine Plätze zurück.
    Zur positiven Verstärkung applaudieren wir, wenn die Schüler/innen fertig sind und ich lobe: „Das waren sehr gute Fragen.“ „Das habt ihr euch gut überlegt, vielen Dank!“ Manchmal denken sich die Schüler/innen auch Rätsel oder besondere Fragestellungen aus („Ist die folgende Aussage richtig oder falsch? …“). Dann macht es noch mehr Spaß.

„Was ist das mit diesen Pluspunkten?“

Pluspunkte gibt es beim Ausfragen für richtige Antworten. Die Ausfragenden bekommen jeweils 2 Pluspunkte. Auch im Unterrichtsgespräch kann es für einen besonders guten Beitrag einen Pluspunkt geben.

Wer im Schulhalbjahr 15 Pluspunkte geschafft hat, bekommt als zusätzliche mündliche Note eine Eins eingetragen. Wer 12 Pluspunkte geschafft hat, bekommt eine Zwei. Das passt gut für ein Nebenfach mit zwei Wochenstunden. In einem Hauptfach mit z.B. vier Wochenstunden können es z.B. für eine Eins 15 Pluspunkte und für eine Zwei 20 sein.

Auch dieses Vorgehen hat sich sehr bewährt, auch in schwierigeren Klassen. In einem fortdauernden Lernprozess wird konstruktive Mitarbeit im Unterricht trainiert und sofort belohnt.  Die Schülerinnen und Schüler erfahren modellhaft, wie sie durch Melden und Mitdenken ihre Note aktiv beeinflussen können. Und sie freuen sich, wenn zum Halbjahresende die Pluspunkt-Noten vorgelesen werden!

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Über JJB
JJB unterrichtet in Bayern in der Sekundarstufe I.

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